Historie

Historie

Der Landwirtschaftliche Reiterverein Kalthof wurde im Frühjahr 1922 gegründet. Feuer und Flamme waren die damaligen Gründungsmitglieder. Die Idee einen Reiterverein zu gründen fiel auf fruchtbaren Boden. Pferde waren damals genug da. Jeder Hof hatte mindestens einen Warmblüter, einen sogenannten „Rassemann“, der als Wagen- oder Kutschpferd verwendet wurde. 

Ein Teil der Reiter hatte schon Kavallerie-Dienste hinter sich, aber da waren auch junge Leute, die reiten lernen wollten, und Pferde, die keinen Reiter hatten, weil sich in der Bauernfamilie ausnahmsweise (noch) kein Reiter fand. Das alles ließ und läßt sich in der Gemeinschaft besser organisieren.

So trafen sich an einem Abend im Frühjahr 1922 in der Gaststätte Eckmann Hermann Schulte-Kalthof, Fritz Schulte-Haumann, Fritz Rahlenbeck, Ernst Beckmann, Hermann Schulte-Gerlingsen, Erich Heetmann, Karl Habbes, Lutz Magney, Willi Tillmann, Ludwig Bedehäsing, Karl Bimberg und Heinrich Becker-Horst.

Auf den Tisch kam natürlich auch die Frage des Reitunterrichts. Die Vereinsgründer waren sich einig: Ein Fachmann mußte her. Gefunden wurde er in Otto Kröning Gestütswärter von Beruf. Otto Kröning war mit 3 Hengsten bei Griese auf Station und war schon berufsbedingt ein guter Reiter. Als Hermann Schulte-Kalthof sen. auch noch seine Weide als Reitgelände zur Verfügung stellte, konnte es losgehen.

Heinrich Becker-Horst erinnert sich: „Es kam schon eine nette Abteilung zusammen. Alle Reiter hatten sich einen Sattel für ihr Pferd besorgt und ritten mit Stiefeln und schwarzer Reitkappe. Das Ereignis hatte sich im Dorf herumgesprochen, so daß eine Menge Zuschauer anwesend waren. Otto Kröning ließ dann eine Abteilung bilden und erteilte uns die ersten Grundlektionen. Nach der Reitstunde ging es dann zur Wirtschaft Griese. Die Pferde wurden draußen angebunden, und drinnen wurde die glücklich überstandene erste Reitstunde gefeiert.“

Dieser Feier sollten noch viele folgen. Die nächste Versammlung, die auf die Entwicklung des Vereins entscheidenden Einfluß gehabt hat, war die Generalversammlung des Jahres 1927. Ohne Frauen geht nichts – diese Erkenntnis fand ihren Niederschlag in der offiziellen Aufnahme der Damen in den Verein. Während diese sich mit einer Spende kühlen Fürstenberg-Bräus revanchierten, erwies sich auch der zweite Tagesordnungspunkt als vernünftig und vereinsfördernd.

Fritz Schwarzelühr bot an, auf eigene Kosten eine Reithalle bauen und die nur dem Reiterverein zur Verfügung zu stellen. Auch hier gab es keine Gegenstimmen, und so wurde schon 1928 in Kalthof eine der ersten Reithallen ganz Westfalens gebaut. Der Vermerk „nur dem Verein zur Verfügung gestellt“ wurde insofern durchbrochen, als das die Reithalle als Austragungsort zünftiger Dorffeste auch bei den anderen Bewohnern Kalthofs zum Begriff wurde.

Nicht zuletzt der Reithalle ist es zu verdanken, die erstmals konsequente Winterarbeit mit Pferd und Reiter ermöglichte, das der Landwirtschaftliche Reiterverein „vom Start weg“ zu den besten Vereinen in Westfalen zählte. 1924, bei der ersten Teilnahme am Provinzialturnier, gab es einen sechsten Platz. Richtig dominierend wurde der Kalthofer Verein dann in den dreißiger Jahren. Zweimal Sieger, einmal Zweiter und zweimal Dritter, das war die Bilanz eines Jahrzehnts, das mit dem Weltkrieg endete. Und auch nach der schweren Zeit wurde in Kalthof kontinuierlich weitergearbeitet – und gesiegt, nun auch auf Kreis- und Bezirksebene und mit einer Jugendmanschaft. Von 1967 bis 1078 gab es einen tollen Rekord: Dreizehnmal hintereinander wurden die Kalthofer Kreismeister, die Jugend schaffte es siebenmal ohne Unterbrechung. Und auch das war alles andere als schlecht: vier Siege auf Bezirksebene. Zum Schluß noch eine ganz besondere goldene Schleife: 1980 wurde sie beim Provinzial-Jugendturnier gewonnen.

Wie ein roter Faden zieht sich eine besondere Aktivität durch die Vereinsgeschichte. Weil man beim Provinzialverband in Münster schon 1926 wußte, was man an den Kalthofern hatte, wurde eine ganz besondere Einladung ausgesprochen. Beim großen Reit- und Springturnier in der Dortmunder Westfalenhalle sollte der Landwirtschaftliche Reiterverein eine Quadrille in historischen Uniformen reiten. Die Quadrille war ein Erfolg – sowohl der westfälische Provinzialverband als auch der Reichsverband bedankten sich schriftlich.

26 Jahre nach der Premiere gab es die Neuauflage. 1952, beim Jubiläumsturnier auf dem Reitplatz zeigten 16 Reiter in alten Uniformen, wie das 1926 gewesen war. Unter ihnen saßen begeistert einige der ganz alten im Sattel.

Noch einal 26 Jahre später – im Rahmen der Iserlohner Maientage 1978 – wurde die große Quadrille neben anderen Pferdeschaubildern und Reiterspielen aufgeführt. Diesmal sahen 4000 Zuschauer der Dressurquadrille zu. Der Applaus sprach für sich. Zweimal mußte die Quadrille in jenem Jahr wiederholt werden. Für eine Fernsehsendung über die Stadt Iserlohn und im Herbst bei den Iserlohner Reitertagen.

Das sind aber beileibe nicht alle Aktivitäten des Vereins. Wo drei Generationen unter einem Dach zusammen wirken und neue Mitglieder als „gute Ergänzung“ verstanden werden, da entstehen aus verschiedenen Bedürfnissen immer wieder Initiativen. So kam es zur Gründung der Voltigierabteilung, der Pony-Kindergruppe und der Hobby-Reitergruppe. Die Voltigiergruppe wurde nach mehr als 20 Jahren aufgelöst und hatte sich bis dahin als Talentschmiede bewährt.

Eine gesunde Mischung aus Tradition und Zeitgeist hat diesen Reiterverein seit seines Bestehens zusammengehalten. Wie gut diese Gemeinschaft immer funktioniert hat, beweist sicher die Tatsache, das der amtierende Vorsitzende, Hermann Rahlenbeck, erst der dritte der Vereinsgeschichte ist.

Quelle: Kalthof, Leckingsen, Refflingen – Drei Dörfer im Spiegel der Zeit. 1987